|

Göttingen und der
Rest der Welt
Halloween im Alten Botanischen Garten

Rechtzeitig gegen 16.30 Uhr stehe ich mit
meiner kleinen Enkeltochter (5 Jahre) im Eingang des Botanischen
Gartens. Wir gesellen uns zu
den anderen Kindern. Die meisten haben sich verkleidet als Hexen,
Zauberer oder Gespenster.
Als eine Hexe mit Besen in der Hand und Schlange um den Hals erscheint;
dazu mit einer Stimme zum Fürchten Hilfs-Hexe und
den Zauberer vorstellt, suchen einige kleinere Kinder schnell Schutz
bei
Papa oder
Mama. Auch meine Enkelin greift nach meiner Hand, hält sie fest.
Ein kleiner Junge weint...
Die Hexe beruhigt ihn: "...ich bin eine gute Hexe..."
Die Hexe, alias Frau Dr. Gabriele Weis, die
zuständig ist für
Öffentlichkeitsarbeit, Garten- pädagogik und Dokumentation
des
Botanischen Gartens, hat Erfahrung mit kleinen und großen
Gästen.
Schließlich ist sie Koordinatorin der "Grünen Klasse". Gemeinsam mit
dem Gartenkustos, Dr. Michael Schwerdtfeger, bietet die
"Grüne Klasse"
Schulen, Kindergärten und Jugend- gruppen die Möglichkeit,
die Natur zu
begreifen.
Praktisch und lebensnah erfahren Kinder und Jugendliche im
Botanischen Garten wo der Pfeffer wächst, welche Kürbisarten
es gibt
und warum einigen Pflanzen und Tiere in früheren Jahrhunderten ein
geheimnisvoller Zauber unterstellt wurde.

Die Hexe erzählt und erzählt, die Kinder lauschen gespannt.
Warum gibt es Halloween, wieso werden Lichter in Kürbisse gesetzt?
Anhand der schaurigen Geschichte von dem wahren
Jack O'Lantern
aus Irland, vermittelt sie den Kindern den Hintergrund von Halloween
und so ganz nebenbei, welche unterschiedlichen Kürbisarten es gibt
und dass das erste Licht für Jack O'Lantern auf einer Rübe
stand; denn in Irland gab es damals keine Kürbisse.
|
|
Das gefällt
nicht nur den Kindern, auch ich höre interessiert zu.
Mit leuchtenden Zauberstäben und Laternen gehen wir durch den
Tunnel des Walls in den Botanischen Garten. Inzwischen ist es dunkler
geworden und dadurch auch gruseliger. Überall hängen Geister
in Büschen und Bäumen; werden von vielen kleine Kerzen
beleuchtet.

Ein schauriges "Kraaah, Kraaah, Kraaah..." ertönt. Alle schauen in
den Himmel. Ein Schwarm Raben fliegt über uns. Ich frage mich, wie
Frau Dr. Weis es geschafft hat, Schwärme von Raben zu bestellen...
Das schaurige "Kraaah" der Raben passt zu der geisterhaften Stimmung.

Die Hexe nutzt geschickt, den Flug der Raben, erzählt vom Werden
und Vergehen, von Särgen und Geistern.
Jetzt führt sie uns zu einem großen dunklen Kasten - ein
Sarg? Darin liegt etwas, das, wenn man hineinschauen würde,
richtig tot aussieht.
Gänsehaut macht sich auf meinem Rücken breit.
In diesem Sarg (Holzkasten) werden die Wurzelstöcke des "Mammutblattes"
vor der strengen Kälte des Winters geschützt; denn das
Mammutblatt kommt aus dem südlichen Südamerika. Im
Sommer sind die Blätter der Pflanze so hoch und so breit, dass ein
großer Mensch, wenn er sich darunter stellt, bei Regen sicherlich
nicht nass wird.
|
|
Nun erfahren wir auch, warum einigen Tieren,
wie
Fleder- mäusen, Eulen, Katzen und Raben früher
Zauberkräfte zugetraut wurden.
Aus einer Tasche holt die Hexe einen schwarzen Kater heraus, hält
ihn hoch, erzählt. Auf dem dunklen Nachtbild rechts, ist der
schwarze Kater kaum zu erkennen.
Natürlich hat sie auch einen schwarzen Raben dabei und die
Geschichte, die sie erzählt, klingt einleuchtend,
schließlich hat sie etwas mit Licht zu tun.
Bevor es elektrisches Licht in unseren Landen gab, gingen die Menschen
mit den Hühnern zu Bett. Doch wenn Jemand beispielsweise sehr
krank war und Hilfe benötigte, wurde der Raum beleuchtet. Die
neugierigen Raben wurden wach, sahen die erleuchteten Fenster wollten
sehen, was sich da abspielt. Na, ja und dann dies unheimliche
"Kraaahen" der Raben, da ist es kein Wunder, wenn ihnen magische
Kräfte zugeschrieben wurden.

Magische Kräfte traue ich fast auch der Hexe zu...
...erst die Rabenschwärme und dann erscheint zur rechten Zeit
auch noch der Mond.
Inzwischen ist es 18.00 Uhr und die Kinder hören immer noch
interessiert zu.
Unterricht kann so spannend sein!
Schade, dass die Lehrer an unseren Schulen kaum Zeit haben für
eine lebendigere Gestaltung des Unterrichts. Schade, auch für die
Schulkinder, die oft langweilig vermittelte Lernstoffe über sich
ergehen lassen müssen.
Anmerkung aus meiner Schulzeit: Ich hatte das Glück einen Lehrer
zu haben, der selbst Mathematik so spannend vermitteln konnte, dass ich
voller Eifer die schwierigsten "Rätsel" der Matheaufgaben
lösen wollte.
Um 18.00 begleitet Frau Dr. Weis uns zum Ausgang zurück.
Danke für die zauberhaften Stunden!
Auf der Website des Botanischen Gartens finden Sie weitere
Informationen, auch wird dort auf die "Thematischen Führungen" und
Vorträge hingewiesen.
siehe >>>
www.altgart.uni-goettingen.de
Scheherzad, 31. Oktober 2009
|
|
|
|