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Göttingen und der
Rest der Welt
"Wiedersehen - eine Ode an die Liebe"
Lese-Event mit Ina Rudolph / am Klavier Stefan Jagemann - Regie:
Wolfgang
Rodler
Durch Zufall lerne ich Ina Rudolph kennen und
erfahre von der Lesung im Apex.
Eine schreibende, singende, modelnde Filmschauspielerin, auch bekannt
durch Tatort und andere Fernseh-Serien. Also eine Powerfrau, die ihre
angeborenen Fähigkeiten schult und umsetzt. Die besten
Voraussetzungen für eine gute Lesung. Sie will eine Geschichte aus
ihrem Buch Sommerkuss
vorlesen. Also bin ich so gegen 20 Uhr im Apex.

Noch liegt die Bühne im Halbdunkel. Ein Tisch, ein Stuhl, ein
Mikrofon und ein Klavier.
Noch sind erst wenige Zuschauer da. Nach und nach füllt sich der
Raum. Pünktlich, nach einer kurzen Vorstellung, erscheint Stefan
Jagemann, setzt sich an das Klavier. Seine Füße, in den
golden verzierten Lederturnschuhen, bewegen sich in Richtung Pedalen.
Seine Hände schweben kurz über den Tasten ... Improvisierte
Klangspiele, mal fordernd, mal träumerisch schweben wie
Seifenblasen im Raum, zerplatzen.
Ina Rudolph steht im hinteren Eck der Bühne, verharrt. Sie schaut
zu Stefan Jagemann. Eine schöne Frau, dezent und doch modern
gekleidet. Schließlich geht sie auf den Tisch zu, setzt sich auf
den Stuhl.
Mir fallen die modernen "Daisy-Duck-Schuhe" auf, die sich schmeichelnd
an ihre Beine anschmiegen. Ruhig - Blick in Richtung Publikum - beginnt
sie mit ihrer charismatischen Stimme, die fast, die recht laute
Klaviermusik übertönt - leider kann man ein Klavier nicht
leiser stellen und die Akustik im Apex eignet sich wenig für die
Ausgewogenheit zwischen Sprache und Musik.
Intensiv und ausdrucksstark, mit
untermalender Mimik und Gestik, liest sie Auszüge aus ihrem Buch;
von jenem Abend, an dem sich nach fünfundzwanzig Jahren Menschen
wieder treffen, die einst zusammen in einer Schul-Klasse saßen.
Als Zuhörer kann ich die beschriebenen Charaktere deutlich vor mir
sehen. Ihre Temperamente und Charakterzüge sind psychologisch bis
ins feinste Detail nachvollziehbar beschrieben. Auch die anderen
Zuhörer lächeln mitunter in sich hinein.
Feiner, sinnlicher
Humor - das gefällt mir.
Inzwischen habe ich mich an das laute Klavier gewöhnt, Stefan
Jagemann versteht es meisterlich, die Lesung zu begleiten. Die
Kommunikation zwischen den Beiden ist wortlos, dann und wann ein
ruhiger Blick in Richtung Klavier. Ina Rudolph liest und Alle
hören konzentriert zu. Sie fesselt die Zuhörer nicht nur mit
dem Text, Sie variiert die Stimme, spielt die Rollen, haucht damit den
Charakteren Leben ein. Ich sehe die Gestalten vor mir, bange mit ihnen,
entrüste mich. Das ist wie Kino im Kopf.

Natürlich geht es auch um die Liebe, Thema 1 auf der Welt. Wird
der schüchterne Lars über sich hinauswachsen, seine Traumfrau
von früher endlich ansprechen? Vielleicht hilft der Griff zur
Gitarre. Ina Rudolph versteht es, hier Spannung aufzubauen. Damit es
spannend bleibt, verrate ich nichts.
Kaufen Sie doch ihr Buch! Sehr empfehlenswert!
ISBN: 3938157798
Das Publikum bedankt sich mit lang anhaltendem Applaus.
In Jeans, mit einer Flasche Bier in der Hand, unterhält Ina
Rudolph sich noch lange mit dem Publikum. Sie kann auch gut
zuhören, das fand ich sehr sympathisch.
Interview mit Ina Rudolph:
Ihre Lesung war purer Hörgenuss. Durch ihr schauspielerisches
Können wird der Text lebendig und zum Theaterspiel. Das ist ein
seltenes Vergnügen bei einer Autorenlesung.
Sie sind sehr präsent. Eigentlich bräuchten Sie keine
Musikbegleitung; ist bei einer Lesung nicht jedermanns Geschmack.
Mitunter empfand ich die Musik zu dominant, das hat mich abgelenkt.
Frau Rudolph, glauben Sie, dass weniger
Besucher kommen, wenn die Lesung nicht als
Event angekündigt wird?
Ich
habe beim Erfinden des Programms nicht daran gedacht, wie viele
Zuschauer es anziehen wird. Ich persönlich finde, dass die Musik,
die Stefan Jagemann komponiert hat, die Geschichte auf wundervolle
Weise unterstützt. Nicht immer sind allerdings die technischen
Bedingungen ideal....
Folgen noch weitere Lesungen?
Ich denke
schon. Wir werden immer wieder eingeladen.
Wie wirken sich die Lesungen auf den Verkauf ihres Buches aus?
Außer,
dass das Publikum am Abend welche kauft
gar nicht.
Sie haben viele Talente. Hat sich schon herauskristallisiert, welches
die Hauptrolle in ihrem Leben spielen wird?
Lange Zeit hat
die Filmschauspielerei die Hauptrolle gespielt,
dann hat sich das Schreiben einen wichtigen Platz erobert. In die
Zukunft sehen kann ich natürlich nicht aber ich wünsche mir,
dass Beides in meinem Leben bleibt.
Frau Rudolph, schauspielern und schreiben ergänzen sich wunderbar.
Als Schauspielerin können Sie sich mit ihrer einfühlsamen Art
gut in ihre Charaktere hineinversetzen.
Das Buch „Sommerkuss“ lebt
davon.
Vielen Dank für das Interview. Ich wünsche Ihnen auf
beruflicher und privater Ebene weiterhin viel Glück.
Wenn Sie mehr über Ina Rudolph wissen wollen, sie hat eine recht
ästhetisch gestylte Website:
www.inarudolph.de
Scheherzad, 16. Januar 2010
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