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Göttingen und der
Rest der Welt
Sonnenaufgang oder Monduntergang?
Um 6.30 Uhr erlebe ich ein seltenes Schauspiel am Himmel über
Göttingen. Während die Sonne im Osten aufgeht, die
Straßen noch beleuchtet sind und in einigen Wohnungen das Licht
eingeschaltet wird, ist am Westhimmel der Mond zu sehen, der langsam
hinter den Wolken verschwindet. Leider ist es schon zu hell, um den
Saturn
erkennen zu können, der zur Zeit rechts vom Mond zu finden ist. Am
28. Februar war Vollmond, inzwischen ist er schon etwas schmaler
geworden.
Da ich auf den Zietenterrassen wohne, sehe ich im Laufe des Jahres, die
schönsten Sonnenuntergänge. Doch den gleichzeitigen
Sonnenaufgang und Vollmonduntergang habe ich noch nie gesehen.
Abends ziehe ich nie meine Gardinen zu, so kann ich den Mond direkt von
meinem Bett aus sehen, wie er still seinen Weg geht. Der Vollmond wirkt
beruhigend auf mich. Sein sanftes Licht lässt mich gut schlafen,
bis ich vom milden Morgenlicht geweckt werde.
An den Mond
Wandle, wandle, holder Schimmer!
Wandle über Flur und Au,
Gleitend, wie ein kühner Schwimmer,
In des stillen Meeres Blau.
Sanft im Silberglanze schwebest
Du so still durchs Wolkenmeer,
Und durch deinen Blick belebest
Du die Gegend rings umher.
Manchen drücket schwerer Kummer,
Manchen lastet Qual und Pein;
Doch du wiegst in sanften Schlummer
Tröstend ihn, voll Mitleid, ein.
Sanfter, als die heiße Sonne,
Winkt dein Schimmer Ruh und Freud,
Und erfüllt mit süßer Wonne,
Tröstung und Vergessenheit.
Hüllst in dichtbewachsnen Lauben
Mit der sanften Fantasie
Ganz den Dichter; machst ihn glauben,
Seine Muse weiche nie.
Und auch mich hast du begeistert,
Der ich dir dies Liedchen sang,
Meiner Seele dich bemeistert,
Da mein Lied sich aufwärts schwang!
Franz Grillparzer, 1804
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