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Weihnachtliche Lesung im KiM am 17. Dezember 2009
mit Mirja Lendt und Benjamin Etzel - Junges Theater Göttingen

Die Ankündigung der Lesung wirkte auf mich wenig einladend: Lesung zu Peter Turrinis Roman "Josef und Maria auf dem Weg in die Krise?". Doch was das Junge Theater so auf die Beine stellt ist meist erfrischend originell.

Also mache ich mich auf den mühsamen Weg hin zu einer kleinen Höhle in der Kurzen Straße, die da heißt KiM! Und siehe, es ist warm dort. Scheinwerfer beleuchten eine kleine Bühne auf der zwei Sessel stehen. Eine Gitarre, deren Saiten verspielt weit über den Gitarrenhals hinaushängen, verspricht Musikbegleitung. Von einer sympathischen Dame werden mir Tee und Kekse angeboten. Oh, das ist nett. Mit dem Becher Tee setze ich mich auf einen der Stühle, die aufgereiht vor der Bühne stehen.

Ein paar weitere Gäste erscheinen, es wird geplaudert und Tee getrunken. Pünktlich um 19.00 Uhr betreten Mirja Lendt und Benjamin Etzel die Bühne, das Licht im Raum wird abgedimmt. Das Rentier-Geweih aus Filz auf dem Kopf von Etzel, könnte ein Hinweis darauf sein, dass es wohl humorvoll zugehen wird. Ich bin gespannt.

Etzel trägt mit ruhiger Stimme und Pokerface-Miene die Geburt Jesu nach Lukas 1.5 vor. Mirja Lendt begleitet behutsam mit der Gitarre. Irgendwie kommt mir das bekannt vor, doch da stimmt etwas nicht ... die Beschneidung Jesu? Ach, so ... nach Lukas. Es muht und mäht und i-a-t mal laut mal leise. Zwischendurch unverständliche Wortfetzen. Deutlich sehe ich Lämmer, Ziegen, den Ochs und den Esel vor mir. Erstaunlich, wie zwei Leute ein komplettes Krippenspiel nur mit Lauten darstellen können.

Es folgt "Weihnachten im September". Ein mörderischer Kampf zwischen ALDI, LIDL und Co. beginnt. Wer hat die bessere Weihnachtsbeleuchtung, wer hat mehr Kunstschnee und die meisten Lebkuchen... Ein Chaos beginnt und Göttingen versinkt im Kunstschnee mitten im September. Die Zuschauer grinsen in sich gekehrt und überlegen wohl, ob sie überhaupt so kurz vor Weihnachten noch Lebkuchen oder weihnachtliches Marzipan kaufen können. Ist doch längst schon alles aufgegessen.

Josef und Maria erzählen abwechselnd ihre Biografie frei nach Wikipedia. Das Grinsen der Zuschauer wird breiter und endlich bei Loriots "Advent" prusten sie los. Mirja Lendt trägt das Gedicht vor - begleitet sich auf der Gitarre - verbreitet Mordlust. Still und wieder mit Pokerface unterstützt Benjamin Etzel pantomimisch die Szene. Greift nach den Sternlein, lässt das Rehlein ruhn, ermordet den Förster... Einfach himmlisch!!!

Weiter unten habe ich das Gedicht "Advent" von Loriot eingefügt.

Der donnernde Applaus lässt die Gesichter der beiden Darsteller strahlen. - Schade, schon zu Ende. Schade, das nur wenige Zuschauer da waren... vielleicht lag es an der nur wenig motivierenden Ankündigung.

18. Dezember 2009

Der Second-Hand-Laden KiM ist eine Einrichtung der "Neue-Arbeit-Brockensammlung".
KIM Second-Hand-LadenEs gibt dort auch Hausrat, Bücher und Möbel
günstig zu erwerben..

Einmal im Monat, am letzten Donnerstag, finden dort regelmäßig Lesungen und musikalische Veranstaltungen statt.

weitere Informationen >>> KiM, der etwas andere Laden

... und nun das Gedicht "Advent" von Loriot


Advent

Es naut die Blacht . . . Verzeihung!


Advent

Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken
Schneeflöcklein leis' herniedersinken.
Auf Edeltännleins grünem Wipfel
häuft sich ein kleiner, weißer Zipfel.
Und dort, vom Fenster her, durchbricht
den dunklen Tann ein warmes Licht.

Advent von Loriot

Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer
die Försterin im Herrenzimmer.
In dieser wunderschönen Nacht
hat sie den Förster umgebracht.
Er war ihr bei des Heimes Pflege
seit langer Zeit schon sehr im Wege.
Drum kam sie mit sich überein:
Am Niklasabend muss es sein.

Und als das Rehlein ging zur Ruh'
das Häslein tat die Augen zu,
erlegte sie - direkt von vorn -
den Gatten über Kimm' und Korn.
Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase
zwei, drei, viermal die Schnuppernase
und ruhet weiter süß im Dunkeln
derweil die Sterne traulich funkeln.

Und in der guten Stube drinnen,
da läuft des Försters Blut von hinnen.
Nun muss die Försterin sich eilen,
den Gatten sauber zu zerteilen.
Schnell hat sie ihn bis auf die Knochen
nach Waidmannssitte aufgebrochen.

Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied,
was der Gemahl bisher vermied,
behält ein Teil Filet zurück
als festtägliches Bratenstück
und packt darauf - es geht auf vier -
die Reste in Geschenkpapier.

Da tönt's von fern wie Silberschellen,
im Dorfe hört man Hunde bellen.
Wer ist's, der in so später Nacht
im Schnee noch seine Runden macht?
Knecht Ruprecht kommt mit goldnem Schlitten
auf einem Hirsch heran geritten.
"He, gute Frau, habt Ihr noch Sachen,
die armen Menschen Freude machen?"

Des Försters Haus ist tief verschneit,
doch seine Frau ist schon bereit:
"Die sechs Pakete, heilger Mann,
's ist alles, was ich geben kann."

Die Silberschellen klingen leise,
Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise.
Im Försterhaus die Kerze brennt,
ein Sternlein blinkt - es ist Advent!



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